Wandertipp: Dolinenweg in Nennig

Traumhaft wandern

Neben den naturgeografischen Besonderheiten der Dolinen gewährt der Wanderweg Einblicke in die Geschichte rund um Nennig: Ein Gräberfeld im Lateswald, der Nenniger Tumulus, das größte römische Mosaik nördlich der Alpen, Schützengräben aus dem Zweiten Weltkrieg sowie das Hotel Schloss Berg indem der 3-Sterne-Koch und  Deutschlands „Koch des Jahres“ Christian Bau zu Tisch bittet.

Durch natürliche Prozesse, die mit der Lösung von Kalksteinen durch Kohlensäure zu tun haben, versteht man in der Geologie und Geomorphologie die Bildung von Karst,  unterirdische Geländeformen und oberirdische Geländeformen in Karbonatgestein.

Dolinen sind Hohlformen oder Senken im Boden, welche sich durch diese Lösungsvorgänge bilden. In einer der Dolinen am Wegesrand der  Traumschleife ist ein Ponor (Schluckloch) entstanden, durch das Wasser abfließen kann. In der Felsstraße in Nennig kommt das Wasser nach einer unterirdischen Reise als sogenannte Karstquelle wieder ans Tageslicht.

Mit diesen Informationen starten wir an der Informationstafel zwischen Schloss und dem Restaurants „Scheune“ zur Wanderung rund um Nennig.

Das auf einer Anhöhe oberhalb von Nennig stehende Schloss Berg, war im 12. Jahrhundert zunächst als Wasserburg gebaut worden. Im 16. Jahrhundert erfolgte der Bau zu einem Renaissanceschloss. Im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört, wurde es nach dem Wiederaufbau über viele Jahre als Schullandheim genutzt. Heute beherbergt Schloss Berg ein Luxushotel, ein Gourmetrestaurant sowie ein Spielcasino.

Seit über 2000 Jahren wird rund um Nennig Wein angebaut. Der Nenniger Römerberg, den wir leicht bergan durchwandern, war einst Hauptanbaulage der alten Ursprungsrebe Elbling. Während der Wanderung erfahren wir an verschiedenen Informationstafeln viel Wissenswertes rund um den Weinbau an der Obermosel.

Nachdem wir die Randlage des Römerbergs verlassen haben befinden wir uns auf dem Weg zum kulturellen Höhepunkt der Wanderung: Dem Römischen Mosaikfußboden von Nennig.

Eine Szene vom Mosaikfußboden in Nennig

Der Steinteppich aus 3 Millionen Einzelsteinchen schmückte einst die Empfangshalle einer großen römischen Villenanlage aus dem 2. und 3. Jh. n. Chr. Sieben Bildfenster zeigen Szenen aus dem Amphitheater, die dem Betrachter eine lebhafte Vorstellung von den Spielen der damaligen Zeit vermitteln.

Mit einer Größe von 161 Quadratmetern ist dieser Mosaikfußboden der größte und besterhaltene nördlich der Alpen. Er zierte die Villa urbana eines reichen Gutsherren. Der Hauptbau der Villa hatte eine Gesamtbreite von 140 Metern. Mit Wandelhallen und Badeanlagen erstreckte sich die Anlage über eine Länge von 650 Metern. Sie übertraf alle römischen Paläste, die man bislang im Moselraum gefunden hatte.

Nach der Besichtigung folgen wir der Beschilderung über einen kleinen Pfad und vorbei an Nutzgärten zur  Felsstraße, der wir nach rechts folgen. Wenig später gelangen wir zur Karstquelle.

Am Ende der Straße der erste Anstieg ins Waldgebiet zwischen Nennig und Tettingen- Butzdorf. Nach der Waldpassage führt der Dolinenweg über freie Wiesen mit alten Streuobstbäumen und Weideland. Die Sinnesbank am Wegesrand, die wir bald erreichen, steht perfekt, um den besonderen Ausblick ins Moseltal und nach Luxemburg an dieser Stelle zu genießen. 

Auf den Streuobstwiesen, so genannten Wölbäckern, werden rund um Nennig Äpfel, Birnen, Mirabellen und Zwetschgen angebaut, die zu Schnäpsen und Bränden weiter verarbeitet werden. Im nah gelegenen Tettingen-Butzdorf befindet sich das Saarländische Brennereimuseum. Hier kann man sich über die Herstellung der hochprozentigen Destillate informieren und die Brände der Region probieren.

Bis zur nächsten Waldpassage wandern wir an alten Obstbäumen vorbei, danach durch einen längeren Waldabschnitt. Ab und zu können wir einen Blick nach Butzdorf und später nach Tettingen erhaschen.

Im weiteren Verlauf des Weges gelangen wir zu ehemaligen Schützengräben des Zweiten Weltkrieges. Auf der Anhöhe verlief eine Verteidigungslinie, die zum Westwall gehörte. Der Westwall zur Sicherung der Westgrenze des Deutschen Reiches bildete mit mehr als 18.000 Bunkern, Stollen sowie zahllose Gräben und Panzersperren eine 630 Kilometer lange Verteidigungslinie von Kleve an der Niederländischen Grenze bis nach Grenzach an der Grenze zur Schweiz. Ehemalige Höckerlinien können noch heute in Tettingen und Orscholz besichtigt werden.

Den Wald verlassen wir mit Sicht zum Birkenhof. Rechter Hand befinden sich die ersten Häuser der Gemeinde Sinz.

Der Weg verläuft eine Weile am Waldrand. Auch auf dem Weideland des Birkenhofs zur Rechten stehen alte Streuobstbäume. Mit Blick ins Moseltal und nach Luxemburg verläuft der Weg sacht bergab. Dann müssen wir nochmals ein kleines Waldstück durchqueren und erreichen eine besondere Doline am Waldsaum. Sie weist eine Tiefe von mehreren Metern auf und hat ein sogenanntes Schluckloch (Ponor), das die Ansammlung von Regenwasser verhindert. An regenreichen Tagen kann man das „geschluckte“ Wasser im Untergrund rauschen hören.

Über meist freie Streuobstwiesenfläche und Weideland verläuft das letzte Teilstück des Weges. Unterwegs passieren wir eine größere Doline, die mit Regenwasser gefüllt ist und sich  zu einem Feuchtbiotop in Form eines kleinen Teichs entwickelt hat.

Das Moseltal und Schloss Berg im Blick ist das Ende der Tour schnell erreicht. 

Blick übers Moseltal nach Luxemburg

TOUR KOMPAKT

Anspruch: leicht

Länge: 9,4 Kilometer

Höhendifferenz: 140 Meter

Dauer: 2:30 Stunden

Charakteristik: Die wenigen Steigungen lassen diesen Weg zu einem Wandervergnügen für die ganze Familie werden. Mal verläuft der Weg über freie Feld- und Wiesenflächen, mal führt er durch schattigen Wald. Neben den wunderbaren Blicken ins Moseltal, urigen Wäldern, weiten Streuobstwiesen und den für die Region typischen Weinbergen, gibt es als besonderes Highlight die geologische Besonderheit der „Doline“ zu erleben.

Wegmarkierung: viereckiges Schild mit weißem Untergrund und den Hinweisen „Traumschleifen Saar-Hunsrück – Dolinenweg“

Startpunkt/GPS: Victor’s Residenz Hotel Schloss Berg, Schloßstraße 27-29, 66706 Perl-Nennig, GPS: 49.534525 N – 6.386665 O

Anfahrt mit dem Auto: Autobahn Saarbrücken-Luxemburg (A620 / A8), Abfahrt Perl, weiter über die B419 entlang der Mosel nach Nennig und dort über die Schloßstraße zum Hotel Schloss Berg

Parken: Oberhalb des Hotels steht genügend Parkraum zur Verfügung

Anfahrt mit Bahn & Bus: Mit dem Zug von Saarbrücken über Merzig nach Trier. Von dort mit der Bahn entlang der Mosel bis Nennig. Vom Bahnhof Nennig hat man nach 15 Minuten Fußweg Schloss Berg erreicht.

Einkehren: Scheune von Victor’s Residenz Hotel Schloss Berg, Telefon: 06866 /79-180, www.victors-landgasthaus-scheune.de

Weitere Informationen:

Touristinformation Perl, Trierer Straße 28, 66706 Perl, Telefon: 06877 / 660, www.perl-mosel.deinfo@perl-mosel.de

Viktor’s Residenz Hotel Schloss Berg, Telefon: 06866 / 79-0

Nachzulesen auch im Wochenmagazin FORUM 17 Mai 2019

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